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"Auch ein Tier hat eine Seele"
Kroll und Rynarzewski präsentieren ihre Arbeiten im Rathaus
von Astrid Amelungse-Kurth Starnberger Merkur 31.05. 2011

"Kunst ist das, was uns vom Affen unterscheidet". Dieser Satz stammt von Hanne Kroll, deren größter Traum es ist, einmal ganz von der Kunst leben zu können. Die gebürtige Starnbergerin, die in Gilching ihr Abitur machte und danach an der Augsburger Universität Kunstpädagogik, Kunstgeschichte und Psychologie studierte, unterrichtet an der Uni Augsburg Malerei, während sie noch an der Münchner Kunstakademie weiter studiert. Am liebsten aber ist sie auf ihrem Hof in Allgäu und malt. "Nirgendwo", sagt sie, "gibt es so ein grelles Licht" und es ist genau dieses Grelle, diese überhöhte Farbgebung, die ihre Bilder ins Gleißende, Schrille bis a

n den Rand des Kitsches treibt. Wäre da nicht ihre besondere Wirklichkeitswahrnehmung, mit der sie selbst die langweiligste Fertiggarage in ihrem Licht- und Schattenspiel unter den Bäumen zu einem Erlebnis für den Betrachter machen würde. Sie verwandelt einen Pool mit seinen Lichtspiegelungen in ein Plastikstillleben, macht einen Ornamentteppich, auf dem sich ein Rehpintscher zusammendrückt zu einem existentialischen Erlebnis und ein geschecktes Hundefell in seiner Textur vor smaragdgrünem Leuchten erfahrbar. Hanne Kroll ist ein großartiges Maltalent, und es ist dem in Seefeld lebendem Künstler Robert Rynarzewski zu verdanken, dass er die Malerin mit dieser Ausstellung im Rathaus wieder in ihre Heimat geholt hat. Zahlreiche Einzelausstellungen hat sie schon im In- und Ausland bespielt, mit wichtigen Kunstpreisen ist sie ausgezeichnet worden. Nun endlich ist sie zum ersten Mal im Landkreis zu sehen und präsentiert ihre Arbeiten zusammen mit Robert Rynarzewski. Der Seefelder Maler, der sich durch seine Plein-Air Aktionen in den vergangenen beiden Jahren hier einen Namen gemacht hat, zeigt ebenfalls Tierbilder. Er hat den Supergockel Seppl gemalt, der letztes Jahr bei Antenne Bayern den ersten Preis beim morgendlichen Kikeriki gewonnen hat und der dem Landwirt Günther Schauer aus Inning gehört. Robert Rynarzewski malt Herr und Hahn in geradezu inniger Umarmung. Seine Bilder sind nicht ohne ein humorvolles Augenzwinkern. Mit expressivem Gestus porträtiert er seine Tiere und die Ziegen des Bürgermeisters. "Auch ein Tier hat eine Seele", sagt Rynarzewski. "Und es hat viel mehr mit dem Menschen zu tun, als nur Fleischgeber zu sein". Der Gockel im Sauseschritt und Hinteransicht scheint jedenfalls sehr ungeduldig und voller Freude ins schwarze Nichts zu stürmen.


Starnberger Merkur Montag, 21 Juli 2008 Nr. 168
Das Zufällige auf Leinwand gebannt. Robert Rynarzewski malt im Freien.
Von Katja Seebald

Delling – Eine der großen Revolutionen in der Geschichte der Malerei geht auf eine simple technische Errungenschaft zurück: Das Malen im Freien, die Malerei „en pleinair“, steht hinter dem Impressionismus. Die Maler der Schule von

Barbizon, die Vorläufer der französischen Impressionisten, gingen mit Staffelei, Pinsel und Farbe direkt in die Landschaft und bannten das Sonnenlicht, das Zufällige und das Augenblickliche der Natur direkt und ohne Umweg über Skizzen und Vorzeichnungen auf die Leinwand. Das war aber nur möglich, weil kurz zuvor die fertig gemischte Tubenfarbe auf den Markt gekommen war und die Künstler ihre Farben nicht mehr selbst anrühren mussten.

Auch in Polen hat die Plein-Air-Malerei eine große Tradition: So groß, dass „Plener“ ein polnisches Wort geworden ist, das nicht nur für das Malen in der Natur, sondern überhaupt für einen Aufenthalt im Grünen steht. Zum „Plener Delling“ hatte der aus Polen stammende Maler Robert Rynarzewski zwei seiner polnischen Kollegen für die vergangene Woche eingeladen

In der Idylle des kleinen Weilers bei Weßling wollte man gemeinsam auf den Spuren von Corot und Millet, von Renoir und Monet, aber auch von Münter und Kandinsky und Co. in die sommerliche Landschaft hinausgehen und malen. Die Ergebnisse sollten in und um Rynarzewskis Atelierhäuschen in Delling gezeigt werden.

Indes, das „Plener“ scheiterte trotz Tubenfarbe an der technischen Umsetzung: In strömendem Regen lässt sich nicht malen. Am Wochenende zeigte Rynarzewski deshalb seine eigenen Bilder, die unter dem Eindruck der Idylle in und um Delling oder auch bei Malausflügen in die Berge entstanden sind: Überlebensgroße Schafe und Kühe, intensive Lichtstimmungen ohne Lokalfarbigkeit, atmosphärische und rhythmische Farbklänge, die nur noch vage an tatsächliche

Landschaftliche Begebenheiten wie Hügel, Wälder, Ufer und Berge erinnern, wohl aber für die kraftstrotzende, überbordende Pracht der Natur stehen. „Ich hätte diese Bilder niemals im Atelier malen können“, sagt Rynarzewski:

Das Naturerlebnis schüchtert ihn ein und gibt ihm zugleich Kraft. Das Malen im Freien ist eine Auseinandersetzung mit der Natur, die Bilder sind die Belohnung. Diese Auseinandersetzung setzt er auch mit der Wahl des Bildgrundes fort: Einige der Bilder entstehen auf dünnen, aus dem Stamm geschnittenen Holzplatten, die während und nach dem Malen „weiterleben“, sich biegen und verformen.

© 2010 Herausgeber: Redaktion und Texte: M. Willems-Pisarek und R. Rynarzewski, Layout und Produktion: www.willems-pisarek.de